Hallo, Leude!
Tests zu entwickeln, ist nicht ohne, das kann euch ich sagen. Als Ingenieur greift man eigentlich auf Tests bzw. Messmethoden zurück, die es allesamt schon gibt. Die Presse behauptet deshalb gern, dass es alles schon gibt und nichts Neues zu erwarten ist. In der Medizin ist das Gegenteil der Fall.
Wenn ein Bluttest bei MS in der Medizin auf den Markt kommt, werden sie geradezu wuschig! „Erfolg für Millionen Betroffen, neue Bluttests …“
Was für ein Unsinn! Medizin ist immer noch der große Hype im Boulevard. Irene glaubt sofort, dass die Tochter jetzt geheilt wird. Das war 1992, als ich erkrankte so und ist heute nicht anders. Nur hast du es jetzt im Smartphone allzeit präsent. Damit wir uns nicht falsch verstehen. Die Forscher selbst haben mit dem haarsträubenden Bullshit der Medien nichts zutun. Sie lernen durch die Tests. Sie haben Methoden, um in Studien an Universitäten einen guten Schritt in Richtung „Verstehen von komplexen Prozessen“ geschaffen. Das ist extrem wichtig.
Natürlich muss man das wirtschaftlich vermarkten. Und so landet alles in den Medien, die dann ihre eigenen Geschichten erzählen.
Ich arbeitete in der Industrie als Entwickler. Da wird überhaupt nichts zum Zwecke der Wissenssteigerung bezahlt. Nichts! Also muss man sich selbst ausdenken, wie man eine wahnsinnig teure, selbst erdachte, Messapparatur rechtfertigen kann. Es erfordert Anti-Ingenieurdenken. Man erzählt den Controllern, dass so eine Apparatur die Produktion von Teilen kontrollieren kann und somit Geld spart, da es weniger Rückläufer gibt. Auch da muss man erfinderisch sein.
Bluttests sollen also MRT-Untersuchungen möglicherweise ablösen, weil …
Billiger! Billiger ist eigentlich für Universitäten eine recht profane Erklärung für bahnbrechende Durchbrüche. Universitäten sind komplett auf Drittmittel angewiesen. So steht am Ende der gleiche Controller da, der nicht einmal in halben Euronen denken kann, im Weg. Für uns, wie Edda und ich im Gespräch herausfanden, ist ein Bluttest definitiv eine tolle Sache. Die heutigen MRT sind nicht mehr so gruselig wie die Lärmomaten in den 90ern, die so eng waren, dass ich nur mit ner Menge Vaseline reinpasste. Trotzdem will niemand freiwillig da rein. Also eigentlich reicht das als Grund für uns aus.
Das reicht aber den Medien nicht! Ich musste mir für meine Apparatur, die eine gesamte Halle einnahm und klimatisiert werden musste, auch noch was blumiges, technologieoffenes, ausdenken. Es würde hier zu weit führen, aber irgendwie erinnert mich die Idee, einen Schub zu erkennen, bevor Symptome da sind, sehr an meine Idee. Zum Glück denkt ja in der Medienbranche kaum jemand über technische Dinge nach. Anders ist der immer wiederholte Unsinn von „Technologieoffenheit“ nicht zu erklären. Da können sogar Politiker über etwas reden, von dem ihnen wirklich jegliches Wissen fehlt. Worthülsen ohne Inhalt sind angesagt.
Leude, wie soll Edda wissen, wann sie einen Bluttest machen soll? Werden die demnächst alle vier Wochen gemacht? Oder besser alle zwei? Man kann ja nicht wissen, wann es los geht. Die Labore werden begeistert sein. Und wer wertet eigentlich die statistischen Mehransammlungen von Irgendetwas aus? Ja, ich weiß! Ich bin Bedenkenträger von Berufswegen! Aber ich habe ein wahnsinnig teures Messgerät bekommen, mit dem ich schlauer wurde. Ob das irgendetwas in der Produktion macht, wie es das heute angeblich noch tut, war nur eine Erzählung. Es hat der Firma versteckt extrem geholfen, und niemand weiß warum. So funktioniert Entwicklung in der Industrie. Leider musste ich das alles ohne „Frau im Spiegel“, „WELT+“ und „BILD“ durchziehen.
Da haben es Medizinierende deutlich leichter. Du musst nur „MS“ sagen und „wir haben da was ganz Tolles“, dann geht die Post ab. Natürlich nur, wenn MS gerade auf Wiedervorlage liegt. Ich wollte ja auch mal mitspielen und hatte Beziehungen. Da poppt MS auf, und dann kommt Oma Erna mit der Lösung um die Ecke. „Durch Cola trinken in Kombination mit einer speziellen gepressten Olivensorte das Gehen wieder gelernt!“
Im Gegensatz zum BILD-Allerlei ist eine Universität als Quelle der heilige Gral für sich immer wiederholende Heilversprechen.
Dass die Radiologen es geschafft haben, uns in die Monstermaschinen zur Verlaufskontrolle zu stecken, um damit unfassbar teure Untersuchungen zu rechtfertigen, ist die ganz große
Kunst, die feine Klinge der technischen Versprechen. Ich ziehe meinen Hut. Dagegen war ich ein ganz kleines Würstchen. Und nein, ohne diese Verballhornung gibt es keinen Fortschritt mehr. Wie ich schon im Gespräch sagte, fand ich die Corona-Zeit faszinierend. Selbst die ganzen Vollpfosten, die auf die Straße gingen gegen Impfungen und für Pseudofreiheit, konnten den massiven Einsatz von Wissen und Geld nicht aufhalten. Ich gebe zu, ich habe es der Medizin und den unterlegten Wissenschaften nicht zugetraut, in so kurzer Zeit etwas auf die Beine zu stellen, ein so mächtiges Schwert zu schmieden. Was ich daraus lernen konnte, ist, dass einzig die finanziellen Mittel dafür entscheidend sind, ob etwas Linderndes, Heilendes entwickelt wird. Wenn die Bedrohung alle angeht, wenn Politik keine andere Möglichkeit hat, dann setzt sich etwas in Gang, von dem die Naiven glauben, es sei das, was die forschenden Pharmaunternehmen täten. Das ist ein Treppenwitz. Mal ehrlich, das ist nicht die Aufgabe der Wirtschaft. Deren Aufgabe ist es, Gewinne zu erwirtschaften. Das ist weder gut noch schlecht. Es ist schlicht die Idee und der gemeinsam anerkannte Auftrag einer Wirtschaft. Dass sie den Menschen dienen soll, ist eine politische Aufgabe, die sie in die Schranken zu weisen hat. Das hat in der Pandemie erstaunlicherweise funktioniert. Dass die Partei, die massiv dagegen arbeitete, jetzt nur noch drei Prozent hat, lässt mich in dunklen Zeiten aufatmen, obwohl sie massiv von Medien Unterstützung erhielten.
Aus meiner Sicht, ist der Bluttest ein weiterer Meilenstein, um die Entzündungsprozesse der MS zu verstehen und vielleicht irgendwann noch effektiver im Keim ersticken zu können.
Von 1992 bis Heute ist angeblich viel passiert. Na, ja! Aber die paar MS Erkranktenv, die es gibt, müssen Geduld haben. Wir sind schon sehr privilegiert im Vergleich mit anderen Erkrankungen und dürfen uns über den Bluttest freuen, der uns vielleicht einiges erleichtert.
Kleinvieh macht auch Mist!
Euer Ingenieur!