Hallo, Leude!
Sie sammeln sich im Ausguss, manche machen Allergiker komplett fertig. Ein Einziges auf einem Anzug des Mannes vor dem Besuch des Theaters macht so manche Frau wahnsinnig. Es geht um Haare. Während heutzutage Männchen und Weibchen gleichermaßen kein einziges Haar mehr am Körper außer dem Haupthaar haben dürfen, weiß man nicht einmal genau, ob das Fell der Männer ursprünglich dichter als das der Frauen war.
Es ist aber anzunehmen. Denn das, was Männer selbst so so toll finden und sie so dominant macht, ist Testosteron. Das trägt maßgeblich zum Fellwuchs, Haarwuchs bei. Ob das evolutionär alles so stimmt, wer weiß. Jedenfalls haben in den Augen von Männern Frauen schöne Haare zu haben. Edda ist da genetisch nicht so reich beschenkt worden, wie sie uns im Podcast erzählte. Und ich habe auch ins Klo gegriffen, wenn es um Haare geht, da meine schon früh ausfielen. Yul Brynner war dann auch mein Leinwandheld. Dem sind die Haare nicht ausgefallen, er prägte nachhaltig den Trend, eine Glatze zu tragen, weil er es wollte.
Jetzt fragt ihr euch bestimmt, warum reden wir über Haare? Nicht nur unser Bundeskanzler Merz möchte selbst entscheiden, wann jemand krank ist und wann nicht. Haare können einem bei der Begutachtung durch den medizinischen Dienst der Kassen auch einen Strick drehen. Während es die GutachterInnen nicht interessiert, ob man an die Füße kommt oder den Intimbereich bei der Körperpflege, setzen sie alles auf die Haarpflege am Kopf.
Bekommst du einen Kamm irgendwie in Kopfnähe, wird es selten was mit dem Pflegegrad. Hätte ich also meine Friedrich Merz Frisur getragen, wäre es nie was mit Pflegegrad geworden. Da wachsen nämlich nur sehr tief Haare, wie ein Kranz um den Kopf. Mal ganz davon abgesehen, dass ich diese, Frisur möchte ich es nicht nennen, abstoßende Kopfbehaarung niemals tragen wollte, fiel bei meiner MDK Begutachtung dieser Test aus. Das verwirrte die Gutachterin derart, dass sie mir gleich jegliche Pflegeeinordnung versagte. Keine Haare, keine Pflegestufe. Ja, damals hieß das noch Pflegestufe.
Wie wir es von Politikern wie Merz kennen, ist die Einstufung in irgendeine Kategorie, eine sehr individuelle Angelegenheit. Beim MDK wie beim Staat richtet sich der Grad der Erkrankung nach Kassenlage. Weniger Geld bedeutet zu viel Pflegebedürftige. Das ist ziemlich einfach. Und das Tolle daran ist, dass man nicht einmal ÄrztInnen dafür braucht. Es handelt sich hier um ein wirtschaftliches Naturgesetz.
Wenn man also im Podcast über Haare redet, ergeben sich tiefe Einblicke in konservative Politik und männliche Vorherrschaft durch Testosteron. Glatze wie dünnes Haupthaar ist für MSlerInnen auch eine Herausforderung in der Anpassung an das Klima. Haare regeln nämlich maßgeblich die Körpertemperaturregelung. Wenn man sie vollständig entfernt, funktioniert das nicht mehr. Aber was wird nicht alles auf dem Altar der Schönheit im Moment geopfert? In meiner Jugend wartete man sehnsüchtig auf die pubertäre, neue Behaarung, die anzeigte, dass man erwachsen wird. Heute gilt Intim- und Achselbehaarung als unreinlich. Als Glatzenträger ist die direkte Sonneneinstrahlung im Sommer ohne Kopfbedeckung unerträglich. Ich bin nicht sicher, ob das nur Männer mit MS betrifft. Sich mit Glatze voll der Sonne auszusetzen, ist generell keine gute Idee.
Da haben Frauen evolutionär einen großen Vorteil.
Dieser Vorteil wandelt sich im alltäglichen Leben eher in einen Nachteil. Die Haarpflege, ja die gesamte Körperpflege, samt Kleidung anlegen, wird gern mal zu einer Challenge. Was der Pflegedienst weder sehen will noch sieht, ist die Folge einer sehr langen morgendlichen Vorbereitung in den Tag. Dazu muss man nicht sehr schwer betroffen sein, das merkt man auch, wenn noch keine Behinderungen auffällig geworden sind.
Eigentlich hört man zu Regeneration nur im Zusammenhang mit Leistungssport etwas in den Medien. Das ist natürlich auch viel interessanter als Regeneration bei chr. Kranken zu betrachten. Vor diesem Hintergrund macht mir die Äußerung unseres Bundeskanzlers Angst, wenn er konstatiert, dass wir zu viel krank sind und zu faul.
Gerade Menschen mit MS müssen nicht wegen Behinderungen, sondern wegen schlechter, stressiger Arbeitsbedingungen in die Vollerwerbsminderungsrente gehen. Angesichts zunehmender arbeitsbedingter psychischer Erkrankungen, wird die Situation eher immer schlechter als besser. Wir haben uns der Wirtschaft anzupassen, egal wie.
Wenn ich morgens zur Arbeit fuhr, hatte ich quasi einen Marathonlauf hinter mir. Duschen, Eincremen, Zähne putzen und dann Anziehen, ging ohne Hilfe gar nicht, aber man tut ja, was man kann. Im Winter dann noch mehr anziehen, mit dem Rolli ins Auto kommen, dauert so lange wie die gesamte Fahrt. Da kann ich von Glück reden, dass ich nur alle zwei Tage meinen Kopf rasieren musste.
Medizin und scheinbar jetzt auch der Bundeskanzler schauen nur auf das Jetzt. Was daraus wird, interessiert niemanden mehr. Nachhaltigkeit ist 2026 zu einem Schimpfwort geworden. Man kann ja erst löschen, wenn es brennt. Ein Feuer von vornherein zu verhindern, ist keine Option mehr in der heutigen Politik, und die Medizin scheint sich diesem Prinzip unterzuordnen. Bei chr. kranken Menschen, wie wir es sind,
funktioniert das definitiv gar nicht. Und die markigen Sprüche, man werde schon was entwickeln, wenn der Planet brennt, können nur von Menschen kommen, die weder wissen, wie Entwicklung funktioniert noch wie Kreativität entsteht.
Da sagst du einfach am Ende einer Podcastfolge, wenn es ums Thema der nächsten folge geht „Haare“ und stellst dann fest, wie viele vermeintliche Kleinigkeiten unser Leben beeinflussen.
Setzt euch immer was auf den Kopf!
Euer Ingenieur!