Folge 4/7: Die Kühlschrankmaus.


Hallo, Leute!

Wahrscheinlich kennt ihr die Ikonen des Horrors wie „Halloween“? Später hat „Scream“ die Kinokassen klingeln lassen. Hollywood spielt mit der Angst der Zuschauer. Und das auf eine sehr effektive Art und Weise.

Als ich 1979 in „Alien“ im Kino war, dachte ich, ich schaue einen SF-Film. Ja, Leute, da lacht ihr. Alien war der erste Kinohit, der nach George Lucas, der mit „Star Wars“ einen Märchenfilm ins Weltall verlegte, einen perfiden Horror-Sgchocker ins Kino brachte. Alle diskutierten über das Erscheinen des Aliens, aber kaum jemand wusste, wie die Szene mit der Bauchgeburt ablief.

Das war echte Angst, die sich langsam im Film für mich entwickelte, da ich gar keine Ahnung hatte, was ich da im Kino schaute. Danach hatte ich schlaflose Nächte. So soll Horror funktionieren. Er kriecht ganz langsam in dich hinein.

Was im Kino sehr unterhaltsam ist, ist im täglichen Leben überhaupt nicht angenehm. Und nun zu unserem „Mitbewohner“. Er ist quasi immer präsent und es passiert wenig. Die schleichende subtile Angst wohnt wie eine kratzende Maus in den hohlen Wänden. Du hörst sie nur, wenn alles ruhig ist. Irgendwann jagt sie dir einen Mordsschrecken ein.

Die Wissenschaft hat dieses Phänomen bei MS schon seit langer Zeit erkannt. Niemand kann dir sagen, was passieren könnte, wenn der nächste Schub sein Unwesen treibt. So steht man permanent unter Druck. Alles ist unvorhersehbar. Du weißt ja nicht einmal, vor was du Angst haben sollst. Die Abwechslung von guten Zeiten ohne Schübe und dann plötzlich auftretenden Defiziten zermürbt zusätzlich.

Das führt in der Summe dazu, dass bis zu 50 % von uns irgendwann unter Depressionen oder sogar massiven Angststörungen leiden.

Der Horror schleicht sich ein. Das Böse läuft durch die amerikanischen Vororte der Mittelschicht und versteckt sich hinter exakt geschnittenen Hecken. Es trägt eine Maske und hat ein riesiges Messer in der Hand.

Wenn alle gerade feiern, schlägt er zu. Irgendwie geht es uns doch auch so, oder? Da geht es dir endlich besser, du feierst es, und dann kommt Michael Meyers um die Ecke. Ganz ohne Grund tut er, was er so tut.

Die Ursachensuche setzt dem Ganzen die Krone auf. Wir möchten so unbedingt Sicherheit. Wenn dieses passiert, hat es jenes zur Folge. So soll die gute alte Menschenwelt funktionieren. Dass so gut wie nichts so wirklich funktioniert, spielt dabei keine Rolle. Der Wunsch ist der Vater des Gedankens.

Die Medizin hat ihren großen Auftritt, wenn sie uns die Diagnose verkündet. Was dann folgt, ist mehr oder weniger Zufall. Deshalb war Michael Meyers der König der Slasher in den 80ern. Absolut böse ohne Sinn und Verstand  – und töten konnte man ihn auch nicht.

Statt MM gibt es für uns MS. Unheilbar, nicht vorhersehbar, von einigermaßen erträglich bis tödlich und unberechenbar.

Seien wir ehrlich, wer da keine Angst bekommt, bei dem stimmt was nicht.

„Es ist ganz normal, dass sie Angst haben, Herr Riepe!“

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber wenn hoch bezahlte Neurologen Binsenweisheiten zum Besten geben, möchte ich mich am liebsten in Luft auflösen. Ich schwanke dann zwischen Fremdscham und ungläubigem Staunen.

Wir wissen alle, dass Meyers niemanden verschont. Wenn dir dann einer vorm Kino erklärt, dass der Serienmörder ein richtig schlimmer Finger ist, versaut es die Laune.

Genauso wirken Binsen auf mich. Sie versauen mir die Laune.

Ich dachte damals, mit MS hätte ich den Gipfel der unvorhersehbaren Ereignisse erklommen. Dann wurde ich bei der Therapie mit dem Dreirad von einem Auto überrollt.

Edda fragte mich, ob ich tatsächlich Dinge gegen meine Panikattacken nach dem Unfall machen konnte, von denen ich nicht glaubte, dass sie funktionierten. Das konnte ich mit ja beantworten.

Erstens kann ich nicht alles wissen, aber Hoffnung haben. Zweitens ist eine Klopftherapie gegen Panik eine konkrete Therapie und keine Binse. So habe ich geklopft, geatmet und meine Beine warm gedacht. Für schwere Arme und Beine musste ich Praktischerweise nichts tun.

Psychologensachen sind sowieso etwas strange; jedenfalls für einen Ingenieur. Warum also nicht irgendwelche Energiebahnen aktivieren, indem man sich an den Kopf klopft.

Es war hart für mich, das gebe ich zu. Was auch immer meine Psychologin für Energie hielt, mit Physik hatte es nichts zutun.

Da ich tatsächlich seit zwanzig Jahren autogenes Training mache, dachte ich mir selbst was nachvollziehbares zur Klopftherapie aus. Und was soll ich sagen, sie funktionierte. Sie funktionierte zwei drei mal, dann bin ich auf handfeste Drogen umgestiegen. Ob ich Angst vor Autos hatte, die über mich rollen oder nicht mehr ins Dreirad stieg? Nein, auch damit konnte ich nicht dienen. Ich hatte schon wieder angefangen, da war nicht einmal mein Bein wieder zusammengewachsen. Die Angst hatte keinen fassbaren Grund.

Wenn jeden Abend Michael Meyers bei dir vorbei kommt, hast du keine Zeit für Esoterik.

Jedenfalls ich nicht!

Euer Ingenieur

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