Hallo, Leude!
Kennt ihr das auch? Du glaubst schon, viel erlebt zu haben, und dann wirst du sowas von überrascht, dass dir die Worte fehlen.
Diesen Moment hatte nicht nur ich an der Wurster Nordseeküste vor einigen Tagen. Edda bestätigte mir, dass selbst auf Sylt, ja, Leude, das ist die Nordseeinsel, Wind plötzlich wie ein gigantischer Fön auf höchster Stufe daherkam. Das war so crazy, dass es einen schon als Urlauber sprachlos gemacht hat.
Da kann man sagen, ok, du bist ja nur einmal Jahr für wenige Tage dort. Deine Wahrnehmung ist statistisch wertlos. Edda wohnt da aber!
Alles verkroch sich bei den absurden Temperaturen des Frühsommers. Tausende Tote! Und was machen wir mit MS? Wärme ist für ganz viele von uns der absolute Erzfeind. In den MS-Foren verweisen die Diskutierenden auf einen Dr. Uhthoff der im 19en Jahrhundert das nach ihm benannte Phänomen beschrieb.
Wie soll er das bestätigt haben, könnte man fragen? Antwort, indem er Frauen in heißes Badewannenwasser warf! Wirklich? Was haben die nur für irre Sachen gemacht; damals?
Äh, nein! Leude das ist eine Anekdote, die sich irgendwer mal ausgedacht hat, die sich aber aus der Überlieferung der Unterlagen von Uhthoff definitiv nicht bestätigen lässt. Natürlich ist das viel empörender, und es macht unsere Wärmeproblematik auch größer, wenn ein Irrer Menschenversuche gemacht hat, aber es stimmt halt nicht.
Wird dadurch unser Problem jetzt kleiner? Nein! Aber wir sollten die Kirche im Dorf lassen.
Der sogenannte Hot-Bath-Test, um den es eigentlich in der Anekdote geht, der wurde viele Jahre später, in der ersten Hälfte des 20en Jahrhunderts, als Diagnoseverfahren entwickelt. Und es handelte sich um warmes Wasser, nicht das zum Eierkuchen.
Die Temperaturen, denen wir dieses Jahr ausgesetzt sind, übersteigen den Test in seinen vorübergehenden Auswirkungen um Längen. Wir sollten uns um eine Lösung bemühen, nicht einem Wissenschaftler Dinge unterstellen und seinen Namen wie den des Höllenfürsten höchstselbst nennen.
Wenn etwas nicht zur Linderung der Wärmeprobleme beiträgt, ist es eine falsche Anekdote.
Was apokalyptische Anekdoten wirklich bewirken, ist „Self-fulfilling Prophecy“! Es wird warm und Panik macht sich breit. Du bist vorher schon überzeugt, dass du tausend Tode stirbst im Sommer.
Und ehrlich, Leude, so ging es mir auch! Erstens glaubte ich an den Mythos über einen Augenarzt, der Kranke Sachen mit Frauen gemacht hat, zweitens war ich schon beim Hören eines Wetterberichts für die übernächste Woche völlig fertig.
Dabei spielt eine große Rolle, dass wir uns auf einige Fähigkeiten, die nach der sachgerechten Benutzung eines Töpfchens eigentlich abgeschlossen waren, und in Fleisch und Blut übergangen sind, plötzlich nicht mehr verlassen können.
Unsicherheit und Angst verstärken die Symptomatik. Angst und Unsicherheit wirst du aber nicht einfach los. Edda hat eine 10-Punkte-Liste erstellen lassen. Allein das hilft. Es mag nicht jeder Punkt individuell funktionieren, aber wir können etwas ausprobieren. In dem Moment passiert das Gegenteil von „SfP“. Wir haben das Gefühl, etwas tun zu können. Und, Leude, das habe ich schon als Erleichterung empfunden. Ich konnte selbst was tun. Nicht behandelt werden und hoffen, sondern handeln und ausprobieren. Nicht umsonst sagen wir „Mach Selbst“ zu MS.
Schon mit der Diagnose wird es trist. Unheilbar sagen sie, aber …
„Aber“, drauf gesch … Hängen bleibt „unheilbar“.
Im Zuge der spürbaren von Menschen gemachten Klimakatastrophe sind wir richtig in den Allerwertesten gekniffen. Die Politik, die meint, wir müssten uns einfach an Temperaturen jenseits der vierzig Grad gewöhnen, redet wirr.
Wie ich im Podcast andeutete, wollte ich nicht im Haus bleiben, wenn es draußen zu warm ist. Ja, ich bin bockig. Also lernte ich zu schwitzen und trainierte meinen Körper. Ich aß vegan, weil es den Körper einfach viel weniger Energie nimmt, als eine Weißwurscht mit Knödeln zu verdrücken. Alles, was unnötig Energie kostet, abstellen. Das Herz-Kreislaufsystem, egal wie, auf Trapp bringen.
Damit kannst du aber nicht im Sommer anfangen! Dann ist es zu spät. Und je nachdem, wie es euch geht, geht es einigermaßen schnell oder es dauert ewig.
Mein Kühlbandana und die Kühlweste wurden übrigens in der Steinzeit von der GKV bezahlt. Ja,v liebe Zuhörenden, sowas gab es früher mal. Man sah ein, dass man bei der Arbeit ganz schlecht mit einem Eiswassereimer gewappnet seiner Tätigkeit nachgehen kann. Heute sehe ich da dunkle Wolken am Horizont aufziehen. Zu teuer, wir müssen sparen, das können wir uns nicht leisten.
Das sind die Antworten der jetzigen Regierung auf drohende Katastrophen.
Also müssen wir erfinderisch sein. Die gute alte Eiswasserschüssel unter dem Schreibtisch funktioniert. Pausen einhalten, funktioniert. Mit Wasser besprühen, funktioniert.
Wir dürfen nicht zulassen, dass eine empathielose Regierung mit ihren Ideen durchkommt, aber wir brauchen immer einen Plan B. Wir können uns das Warten auf die Katastrophe nicht leisten. Wir können nicht darauf hoffen, dass die Wissenschaft plötzlich eine Lösung findet, nur weil die Katastrophe schon da ist. Das ist Politikerunsinn! Frühzeitig anfangen. Ausprobieren, was helfen könnte und eigene Strategien entwickeln. Mir hat das auch immer Spaß gemacht. Vielleicht geht es euch auch so, wenn ihr mit Erfolg belohnt werdet. Irgendwann. Geduld war nicht meins! Umso erstaunlicher, dass ich so lange daran herumtüfteln konnte, bis ich jetzt ein Problem weniger habe. Sommer!
Euer Ingenieur