Hallo, Leude!
Unsere neue Regierung hat unter Merz große Würfe angekündigt. Für wen das großartig werden soll, lässt man geflissentlich außen vor. Vielleicht standen die liebenswert verrückten Briten Pate mit ihrer Keksweitwurfweltmeisterschaft. Wir wissen es nicht.
Es ist aber Schlimmstes zu befürchten. Wenn man nicht gerade in der Politik arbeitet, führen Ankündigungen von großen Würfen, die dann nicht mal ein Würfchen werden, zu Kündigung. Unfähigkeit nennt man das in der Industrie.
Wenn es um Krankheit geht, galt immer die Vollkaskomentalität. Woran das liegt, weiß ich nicht. Eines weiß ich jedoch, Deutsche wollen nichts privat zur Gesundheitsversorgung dazuzahlen! Das ist so, seit ich krank bin. Es liegen eine Menge Regierungen zwischen damals und heute. Damit wir uns richtig verstehen. Ich meine Menschen, die sich durchaus Zuzahlungen zu Krankengymnastik oder Ergotherapie leisten könnten.
Ein anderer deutscher Spruch, den ich auch von meinem sehr alten Vater kenne, lautet: „Was nichts kostet, ist nichts wert!“ Wenn man beide deutschen Sprüche verknüpft, bedeutet das, dass unsere Behandlungen nichts wert sind. Das sehe ich ganz anders. Für mich waren die Therapien von Physio- und Ergotherapie mindestens gleichwertig zu der medikamentösen Therapie der Medizinierenden.
Während Medikamente zur Behandlung der MS mal so richtig teuer sind, ist der Preis für mechanische Therapien geradezu lächerlich. Trotzdem werden die Behandlungszeiten durch Begleittherapien zwar nicht teurer, aber immer kürzer. Irgendwas in uns scheint zu meinen, dass Medikamente wirkmächtiger sind als mechanische Therapien. Bei mir war das anfangs definitiv auch so.
Von jeher bläuen uns die Medien ein, dass Pillen und Spritzen uns heilen. Beinchen hoch, Beinchen hoch, Beinchen runter ist hingegen Pille Palle. Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, dass alles was mit euch gemacht wird, toll ist? Mechanische Therapien bringen gar nichts, wenn man nicht aktiv mitmacht. Wo gibt es nach vielen Gesundheitsreformen noch Schwimmeinzeltherapie in der Reha? Wo gibt es Hippotherapie? Weiß eigentlich noch irgendwer, wie lange früher mal eine Reha ging, so dass man von „sinnvoll“ sprechen konnte?
Ich sage euch, es waren nicht zwei Wochen. Für so kurze Zeit fahre ich nirgends hin. Auch zehn oder fünfzehn Minuten Physiotherapie kann ich mir schenken.
Nicht nur wir glauben, dass Medikamente wirksam sind und bezweifeln die Wirksamkeit mechanischer Therapien. Was auf jeden Fall wirkmächtig ist, ist die Pharmalobby. Die Methoden der Medizin sind eigentlich komplett auf die Bedürfnisse der Pharmakologie abgestimmt. Doppelblind mit Placebo-Gruppe, keiner weiß, was wer macht. Das hat sich bewährt.
Aber wie funktioniert das, wenn die Therapeuten maßgeblich Einfluss auf das Therapieergebnis nehmen, dadurch, dass einige mit den Patientinnen können und andere eben nicht? Blind scheidet aus. Placebo? Schwierig. Wenn dir einer die Füße massiert, du hast es aber im Nacken, wird es brenzlig.
Nur, was macht die Politik aus dieser Gemengelage? Hunderte Pharmalobbyisten befinden sich durch Millionenbudgets in Berlin. Wie sieht es hingegen für die mechanischen Therapien aus? Ich würde es homöopathisch nennen. Es gibt sie, das war es auch schon. Was nicht sichtbar ist, bekommt nix in Berlin, Punkt.
Das Missverhältnis überträgt sich auf die „Wirksamkeit“. Wir erinnern uns an den Spruch: „Was nichts kostet, ist nichts wert!“ Es mag sein, dass Pharmaunternehmen nicht mit den Marketingkosten an Entwicklungskosten herankommen, verzerrt es dennoch das von der Pharma gern gezeichnete Selbstbild sehr. Denn der Aufwand ist riesig.
Das bedeutet, alle wissen wie toll Pillen sind, kaum jemand weiß, was Ergotherapie überhaupt ist.
Ich wusste das natürlich auch nicht! Alle wissen von klein auf an, dass man Pillen einwirft.
Es prägt uns einfach! Das ist garantiert ein Grund mit, warum wir ungern für Therapien zuzahlen, während das bei sauteuren Medis besser vermittelbar ist.
Ich befürchte, dass die jetzige Regierung nichts anderes macht, als alle davor. Sparen, sparen, sparen! Aber bitte nicht die Preispolitik der Pharma hinterfragen.
Wir haben aber auch echt die A-Karte mit MS gezogen. Bei uns gibt es nichts zu operieren. Die Medikamente haben keinerlei zeitliche Therapiebegrenzung, und heilen tun sie auch nicht. Also eine echte Goldader für die Pharmaindustrie, obwohl wir ja nur wirklich Wenige sind im Vergleich.
Der Vergleich von MS zu kardiovaskulären Erkrankungen zeigt das Dilemma. Pro Patientin sind wir wahnsinnig teuer, insgesamt allerdings nicht! Dennoch wird nur über die so teuren Therapien diskutiert. Der wahre Blockbuster für die Pharmas, bei viel niedrigeren Medikamentenkosten sind die Medis gegen Bluthochdruck und Co.
Es ist schon komisch, dass bei Herzkranz-Erkrankungen, obwohl mechanische Therapien samt Ernährung sehr wirkmächtig sind, niemand auf die Idee kommt, Physiotherapie zu verordnen, außer man ist schon komplett Gaga.
Ich habe super von Medis profitiert und super von mechanischer Therapie! Gleichsam habe ich selbst extrem viel in sportliche Aktivitäten investiert. Ob anfangs im Dreirad mit Galgen in der Garage zum Hineinheben bis zum Fahren nach vielen Jahren sogar mit wenig Motorunterstützung. Tausende von Stunden habe ich investiert. Das ist nicht vermittelbar und stinkt gegen jedes Medikamentenversprechen von Fampiridin und Lioresal ab. Ich versuchte beides und habe mich dauerhaft dagegen entschieden.
Gesundheit ist ein hohes Gut! Bezahlen möchten Deutsche dafür nicht. Dennoch ist nichts etwas wert, was nichts kostet. Was dabei herauskommt, kann man gerade bei der Gesundheitsreform beobachten. Und die private Gesundheitsbranche spielt wirtschaftlich in der Championsleague.
Ich muss nicht lange rätseln, zu was das bei unseren höchsten Staatsdienern führt.
In diesem Sinne hoffen wir das Beste!
Euer Ingenieur