Hallo, Leude!
Als wir – Edda und – ich uns nach unserer Podcastfolge unterhielten, fragten wir uns, ob wir uns immer präventiv also krankheitsverhindernd verhalten haben.
Also bei mir ist das völlig klar. Ich betrieb das Gegenteil von Prävention. Jedenfalls das, was ich dafür hielt. Die ersten 10 Jahre nach der Diagnose machte ich einfach weiter. Mehr noch, frei nach dem Macho-Motto: „Was mich nicht umbringt“…, schadete ich mir mit Ansage. Ich legte mich für die Karriere noch mal mehr ins Zeug.
Um diese fantastische Idee im Hirn zu etablieren, redete ich mir ein, dass Krebspatienten ja auch siegen. Man muss also nur vierzig Kilometer am Stück laufen oder auf den Everest klettern und schon ist der Krebs besiegt. Also irgendwie so sollte es funktionieren. Also begann ich ausgerechnet mit MS Ausdauersport, zusätzlich zu einer sechzig Stundenwoche. Nur die Harten kommen in den Garten.
Als ich die ersten Komplettabstürze irgendwo im Ausland hatte, lies ich mich nicht unterkriegen. Erst als ich ein Flugzeug nicht mehr verlassen konnte und einen Alkoholrausch vortäuschen musste, war diese MS bekämpfen wie Krebsbekämpfung Geschichte. Mein Schwiegervater musste mich vom Flughafen abholen, ich weiß nicht mal mehr, welcher es war. Danach folgte Rollstuhl.
Aber das Gegenteil von Prävention ist für Medizinierende Intervention. Jedenfalls behauptet Chat GPT das.
Versteht ihr das? Ist doch beides krankheitsabwehrend. Zur Sicherheit fragte ich: „Was ist das Gegenteil von tot?“ Man, war ich froh, dass es „lebend“ war. Wie kann dann Intervention das Gegenteil von …
Egal, Medizin habe ich noch nie verstanden. Für mich ist krankheitsförderndes Tun das Gegenteil von Prävention. Rauchen, saufen, Fastfood essen bis zum Umfallen, kein Sport, viel Stress … und, und, und. Das ist ja alles ok. Dafür haben wir ja eine Medizin, die auf Intervention setzt. Rauchen führt möglicherweise zu Beinamputation. Und es gibt wahnsinnig viele Tabletten, gegen alle möglichen Herzkranzgefäßerkrankungen, die echt hoch im Kurs stehen.
Ihr fragt euch jetzt vielleicht: „Und was hat Edda gemacht?“
Na, die wusste ja gar nicht, dass sie MS bekommt. Das ist das Gemeine. Du kannst dich fit halten und gut fühlen, und zack, bekommst du MS! Also dumm gelaufen, nicht dumm gehandelt.
Das kurioseste an MS finde ich in dem Zusammenhang, dass Prävention die medizinische Intervention ist! Wenn das nicht etwas crazy ist, weiß ich es auch nicht. Sie haben nichts gegen MS, aber sie glauben, etwas gegen eine Verschlechterung zu haben. Das ist Prävention!
Ich sagte ja schon, ich verstehe Medizin nicht. Erst wenn man nix mehr in der Hand hat, keine Ahnung, wie man etwas heilen kann, kommt man auf Basistherapie, also Prävention.
Wie super Prävention in der Bevölkerung ankommt, durften wir an den mit Aluhüten auf dem Kopf herumlaufenden Corona-Leugnenden erkennen. Impfen ist Prävention! Impfen ist seit 1776, seit Jenner diese geniale Idee hatte, für viele des Teufels. Du kannst ja nicht was mit dir anstellen lassen, wenn du noch nicht krank bist.
Tja, dumm gelaufen, liebe Medizinierende! Intervention zum medizinischen Heilsbringer erklären und voll in die … treten, wenn ein Virus ausbricht. Wundern, dass man sich nicht irgendwas spritzen lässt. Für einen Thailandurlaub ist Impfen was ganz anderes. Da geht es um Urlaub. Wenn das kein Grund ist, oder? Aber ein Virus oder eine vielleicht dumm laufende MS?
Die Dullis mit den Aluhüten möchten aber gern zu hundert Prozent wissen, ob der Virus sie befällt. Genauso wie beim Klimawandel. Es kann ja sein, dass Außerirdische kommen und den Planeten retten. Merz will auch Intervention, natürlich. Ist doch nicht gesagt, dass nicht Teile des Sauerlandes als einzige übrig bleiben, oder? Tatsächlich gibt es dafür kein Gegenargument.
Edda sofort, ich mit einer geistigen Verzögerung von zehn Jahren und selbst zugefügten schweren Behinderungen, halten Prävention für sehr wichtig.
Dazu brauchen wir Physiotherapeut:innen und Co. Gute Ärztinnen und Ärzte und ein gutes Umfeld. Basistherapie ist nur ein kleiner Baustein.
„Ja, aber ich merke gar nicht, dass die Reha geholfen hat“, sagen sie. Ne, ist klar. Weißt du, wenn du jeden Tag schlecht isst, rauchst und trinkst, merkst du auch zunächst nichts davon.
Das ist ja das große Problem. Deshalb ist Prävention so unsexy! Und deshalb will die Medizin Intervention machen. Bei den Feuern und den Hitzetoten hatten die Medien ihre liebe Mühe, die Katastrophe rüberzubringen. Wenn das Ahrtal absäuft, sieht man das! Schwitzen? Schwitzen tun wir alle. Da trinkt man ein Glas Wasser und alles ist gut. Dass dir das Eiweiss im Hirn jenseits von 40 Grad ohne Kühlung verklumpt, kann man ganz schlecht bildreich darstellen.
Prävention passt immer schlechter in die schnelllebige Zeit. Wer weiß schon, ob Physiotherapie überhaupt was bringt. In 10 oder 15 Minuten bringt sie garantiert nichts. Wenn du was kaufst, willst du auch das Produkt sofort haben! Leider funktioniert weder unser Körper noch die gesamte Natur nach diesem idiotischen Prinzip.
Wer jetzt glaubt, man müsse halt die Herangehensweise an die Realität anpassen, sieht sich getäuscht. Zu teuer! Ist das wirklich teurer, als wenn man Intervention betreibt? Natürlich nicht! Das Gegenteil ist der Fall. Wenn an deinem Rolli an der Achse eine Schraube locker ist, wartest du nicht bis der ganze Rolli zusammenbricht. Falsches Beispiel, meint ihr? Nein, ist es nicht! Es ist sogar ein ganz besonders gutes Beispiel. Wenn man nicht rechtzeitig etwas gut pflegt, geht es unwiderruflich kaputt. Das ist der Wunsch, denn man möchte was Neues verkaufen. Bei Beinen, Organen oder anderen Ersatzteilen funktioniert das gerade noch. Das Zentrale Nervensystem beim Elektriker von nebenan neu bestellen und vom Chirurgen des Vertrauens einsetzen lassen, mag der feuchte Traum der Wirtschaftsfans sein, dennoch ist Prävention billiger!
Und es funktioniert natürlich, da du verhinderst, dass du zusammenbrichst.
Intervention funktioniert natürlich nicht immer, das ist selbstverständlich.
Mit nachdenklichen Grüßen
Euer Ingenieur