Folge 4/20: Alle Hüte bleiben auf

Hallo, Leude!

Kennt ihr den Spruch: „Never change a winning Team?“

Irgendwie klar, dass man besser nichts ändert, wenn alles super läuft. Was aber machst du, wenn ein eingespieltes Team plötzlich nicht mehr so gewinnt, wie du es erwartest? Dann stellt sich die Frage, ob man wirklich an einem ehemals erfolgreichen Ding noch was retten kann.

Was man gar nicht machen sollte, jedenfalls in meiner Welt, ist das Vermischen von Dingen, die für sich möglicherweise Sinn ergeben. 

Die Antwort lautet also: „Team austauschen!“

Nur weißt du wirklich genau, ob das neue Team funktioniert? Wenn jemand vor dieser Frage steht, beginnt die Systemfrage. Apple oder Windows? Pferd oder Esel?

Vor vielen Jahren war für graphisch arbeitende Menschen am PC Apple die allererste Adresse, und es gab keine Alternative. Andere sagten, dass es viel zu wenig frei verfügbare Software gäbe bei Apple, was aber mit Graphik eben nichts zutun hat.

Ein Pferd läuft schnell, ein Esel kann besser tragen.

Ihr merkt schon, worauf ich hinaus will. Es gibt nicht das beste Team, außer im Profisport, da kaufst du einfach was für unanständig viel Geld.

Nun kommen sehr schlaue Menschen auf die geniale Idee: „Wir brauchen einen Esel schnell wie ein Pferd oder umgekehrt; ist doch klar!“

In der Sprache der Ingenieure nennen wir diese wunderbare Idee des Managements „Eierlegendewollmilchsau!“

Hier werden gleich vier unabhängig von einander funktionierende Dinge einfach zu einem gemacht. Das geht natürlich nicht. Für Manager aber kein Problem, die fordern nur. Ich sollte beispielsweise ein Perpetuum Mobile entwickeln! Jetzt denkt ihr vielleicht, dass alle wissen, dass das nicht geht. Korrekt! Aber wenn man nicht weiß, dass die Daten, die man fordert, dem entsprechen, wird es deutlich.

Du kannst machen was du willst, es geht nicht. Du kannst Hähne mit Säuen bekannt machen. Aber was dabei rauskommt, sollten sie Liebe entdecken, legt auch im besten Fall einfach keine Eier! Manager verstehen das nicht. Müssen sie eigentlich auch nicht, denn in der Welt der Finanzen und des Gewinns regiert die Erwartung. Ändern sollte sich nach Möglichkeit nichts. Mach was Neues, aber es muss wie das Alte …

Das ist bei VW lange richtig gut gelaufen.

Ihr wisst ja alle, ich bin alt und krank. Ich durfte die wahnsinnig innovative Idee eines Lauterbachs, in seiner Zeit als Berater für Ökonomisierung bis zum Gesundheitsminister begleiten. Und was hat er gemacht? Er paarte ein Schwein mit einem Schaf und wunderte sich, dass es keine Eier legt.

Ein staatliches Gesundheitssystem ist quasi ein Schaf. Ein privates Gesundheitssystem vergleichen wir mal mit einem fetten gesunden Schwein. Jetzt führt man Teile ein, Fallpauschalen.

Und schon geht es den Bach runter. Dann verkauft man Krankenhäuser und erhält einen Esel.

Die Amerikaner mögen ihr System. Alle Beteiligten verdienen, alles ist auf Gewinn und Verlust ausgelegt. Ihr kennt das! Der Markt regelt. Kann man machen. 

Und bevor jemand Schnappatmung bekommt, ich kritisiere das nicht. Wer arbeitet, der bekommt, wer nicht arbeitet, kriegt nichts. Das ist das amerikanische System. Wer nichts hat, kriegt auch nichts. Wir haben ein anderes System, das ich vor vielen Jahren sehr schätzte, da ich krank wurde.

Als Deutschland in seine Demokratie startete, beschloss man, nicht auf dieses Pferd zu setzen. Man entschied sich für soziale Marktwirtschaft und Gesundheitssystem, dass von denen getragen wird, die einzahlen. Solidarisch halt. Nur geht das nur staatlich! Deshalb hat man es staatlich gemacht. Das ist das Schaf. Du hast Wolle und kannst das Schaf schlussendlich auch essen. Das Schwein kannst du nur essen.

Wie kriegst du das jetzt hin, dass dein Schwein auch Wolle hat? Gar nicht Lauterbach, du …

Ich werde wieder wütend. Ein Schwein hat kein Fell und kann keine Eier legen! Punkt! Unternehmer interessieren sich nicht für andere Unternehmer. Sie lassen sich auch nicht von anderen Unternehmern vorschreiben, wie sie ihren Laden führen sollen. Das wäre ja auch noch schöner.

Und wer hat dann den Hut auf, wenn alle zusammenarbeiten sollen? Ich las, es gäbe irgendwo im Gesetz einen „Case Coordinator, Fallmanager“. Aha! Habt ihr schon mal einen gesehen?

Ich stelle mir gerade vor, wie ein Koordinator mit meinem Firmenchef Multimillionär einen Termin vereinbart, um ihm zu sagen, was er tun soll. Ehrlich, da wäre ich gern dabei gewesen.

Und das Entlassmanagement des Krankenhauses beauftragt so jemanden.

Kann es sein, dass man unterschiedlichen Unternehmern keine hoheitlichen Aufgaben geben kann?

Krankenhäuser, Ärzte:innen, Pflegedienste, Apotheken, Pharma, und der Staat hat den Hut abgegeben.

Dafür wird eine arme Wurst namens Case Cvoordinator in den Ring geworfen, der ungefähr so real ist wie der Yeti. Ich bin jetzt über 30 Jahre krank, und ich habe never ever eine solche Person getroffen. Insgesamt lag ich über zwei Jahre in Krankenhäusern, zählt man alle Zeiten zusammen. Ich wurde mal entlassen. „What the fuck ist ein Fallmanager?“

Ja, die „Eierlegendewollmilchsau“. Lauterbach glaubte auch dran. Das wird alles viel effizienter, versprachen sie! Weil Wirtschaft und Privatindustrie so effizient sind. Esel möchten nicht mal mit Pferden was zutun haben. Wie kommst du auf die Idee, dass die auf Schafe stehen, Herr Lauterbach?

Das unfassbare Chaos des Zusammenspiels der Beteiligten im Pflegeprozess sucht tatsächlich seines Gleichen.

Pflegedienst sagt zu mir: „Ich brauche von …“

Krankenhaus sagt zu mir: „Da sind wir nicht …“

Ärztin sagt zu mir: „Was soll ich verordnen?“

Alle fragen ausgerechnet die Person, die überhaupt nichts damit zutun haben darf. Die keine Ahnung  hat. Und dann zucken sie die Schultern.

Den Ötzi haben sie nach tausenden Jahren auch gefunden! Beim Yeti bin ich skeptisch!

Aber dass jemand den Fallkoordinator findet, kann ich mir tatsächlich nicht vorstellen.

Auf der Suche.

Euer Ingenieur

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